Grundlagen

Bis in die frühe Neuzeit hinein war die europäische Kultur von einer einheitlichen spirituellen Lebensordnung geprägt. Eingehüllt in eine hierarchisch gegliederte Weltordnung wurde das soziale Leben als Teil eines auf Gott bezogenen Ganzen erlebt. Mit dem Aufkommen der modernen Naturwissenschaft vollzog sich demgegenüber ein in seiner Radikalität kaum auszuschöpfender Wandel. Der Kosmos wurde zunehmend als ein mathematisch bestimmbares, unbegrenztes Außen erlebt, in dem der Mensch nicht mehr zuhause ist. Wache Zeitgenossen wie Jakob Böhme (1575 – 1624) waren erschüttert über die quantitativ erschlossene „unendliche Tiefe dieser Welt“. „Die ewige Leere des unendlichen Raumes erfüllt mich mit Schrecken“, schrieb Blaise Pascal (1623 – 1662) angesichts der naturwissenschaftlichen Perspektive. Später hat Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) die entsprechende Stimmung in seinem bekannten Wort „Gott ist tot“ zum Ausdruck gebracht. Wer das Leben genauer beobachtet, der sieht, dass das ganze soziale Leben der heutigen Menschheit von dieser „Entzauberung der Welt“ betroffen ist. Inzwischen hat die  naturwissenschaftliche Außenperspektive ihre Weiterführung in der wirtschaftlichen Globalisierung gefunden. Ein permanenter Antagonismus zwischen wirtschaftlichem Egoismus und staatlicher Regelungswut bestimmt das soziale Leben des 21. Jahrhunderts. So zieht sich eine Art Bruchlinie durch unsere soziale Welt, an der das individuelle Bedürfnis nach Sinngebung und tragfähigen sozialen Beziehungen der globalen Dominanz staatlicher und ökonomischer Maßnahmen immer wieder ohnmächtig gegenüber steht. Denn die „Entzauberung der Welt“ ist als Herausforderung noch immer zu wenig verstanden und in ihren individuellen und sozialen Folgeerscheinungen bis heute unbewältigt geblieben.

Die das moderne Bewusstsein bestimmenden Krisen ähneln denjenigen, mit denen in den Phasen der älteren Kulturentwicklung die Angehörigen der Mysterienreligionen und Mysterienkulte konfrontiert waren. Sie durchlebten schwerwiegende Prüfungen und Verunsicherungen, aus denen eine neue innere Souveränität geboren wurde. Auch die soziale Krise der Gegenwart ist ein Zeichen dafür, dass der Mensch an der Schwelle zur geistigen Welt steht. Im Unterschied zu früheren Zeiten betreffen solche Prozesse des Stirb und Werde heute mehr oder weniger jeden Menschen. Modernes Leben trägt ein Mysterienprinzip in sich selbst. Rudolf Steiner (1861 – 1925) brachte dies in dem Gedanken zum Ausdruck, dass die Menschheit als Ganze unbewusst über die Schwelle zur geistigen Welt geht. Individuelle geistige Entwicklung und soziale Gestaltungsfragen sind dabei nicht mehr voneinander zu trennen: „Denn nur, indem der einzelne Mensch vordringt bis zu seiner wahren Individualität, kann er hoffen, zu einem harmonischen Zusammenwirken aller Menschen über die ganze Erde hin zu gelangen. Gemeinschaftsbildend, menschengemeinschaftsbildend können heute nur noch die Kräfte der sich ihres geistigen Ursprunges bewussten menschlichen Individualitäten wirken.“[1]

Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen, bemühen wir uns im Rahmen des D. N. Dunlop Instituts seit Jahren um eine seelisch-geistige Fähigkeitsbildung, die dem naturwissenschaftlich geprägten und wirtschaftlich dominierten Charakter der heutigen Zivilisation nicht ausweicht, sondern auf dessen Transformation durch zivilgesellschaftliche Initiativen gerichtet ist. Unsere Arbeit zielt darauf ab, durch geisteswissenschaftliche Vertiefung menschlich-konkrete Bildungsräume zu schaffen, die den Schwellensituationen des 21. Jahrhunderts gerecht werden können. Denn mehr denn je gilt heute das Wort Rudolf Steiners: „Die Zeitentwicklung selber fordert die Befreiung des Geisteslebens aus Staatsbanden und aus Wirtschaftsbanden.“[2]

 


 


[1] Emil Leinhas, Vom Wesen der Weltwirtschaft. Stuttgart 1949

[2] Rudolf Steiner: Der innere Aspekt des sozialen Rätsels, GA 193, Vortrag vom 12. Juni 1919. Rudolf Steiner     Verlag, Dornach 2007

 

 

                                            

D. N. Dunlop

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